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Manfred Sachse

Die Vorfahren väterlicherseits stammen aus Sachsen-Anhalt. Bis ins 17. Jahrhundert lässt sich die väterliche Ahnenreihe lückenlos zurück verfolgen. Die Sachse’s kamen aus der Gegend um Weissenfels und zwar Obergreisslau, Burgwerben, Markwerben, Tagewerben. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden einige Berufssoldaten (später Beamte), andere wanderten in die USA aus.

Manfred Sachse wurde am 08. August 1935 in M.Gladbach (heute Mönchengladbach) geboren.
Die Eltern waren:
Wilhelm Karl Sachse, geboren 03. November 1903 in Duisburg
Tonie Cäcilie Sachse, geb. Felderhoff, geboren 12. April 1909 in Essen-Rüttenscheid
Geheiratet 16. November 1934 in Rheydt

Die Reihe der männlichen Vorfahren väterlicherseits (soweit verbürgt):
Gottfried Sachse,  Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-Großvater
Christian Sachse, getauft 26.02.1745 in Burgwerben,  Ur-, Ur-, Ur-, Ur-Großvater
Johann Paul Sachse, geboren 19.11.1775 in Markwerben,  Ur-, Ur-, Ur-Großvater
Johann Gottfried Sachse, geboren 23.04.1806 in Horkau, Ur-, Ur-Großvater
Johann Karl Sachse, geboren 09.07.1843 in Obergreisslau, Ur-Großvater
Johann Ernst Waldemar Sachse, geboren 17.09.1872 in Obergreisslau, Großvater
Wilhelm Karl Sachse, geboren 03.11.1903 in Duisburg, Vater
Manfred Christian Ernst Sachse, geboren 08.08.1935 in München-Gladbach (Mönchengladbach)
Manfred Sachse, geboren 02.11.1966 in Rheydt,  Sohn

Hier einmal ein paar Daten zum Ur-Großvater Johann Karl Sachse (durch Dokumente belegt):

Grenadier Karl Sachse von der 6. Kompanie des Königlich 2. Garde Regiments zu Fuß (Gefreiter seit dem 24.08.1870). Auszeichnung EK.pro 1866
Feldzug gegen Österreich
Gefecht bei Soor am 26.06.1866
Gefecht bei Königenhof 29.06.1866
Gefecht bei Königsgräz 03.07.1866
Feldzug gegen Frankreich 1870/71
Schlacht bei St. Privat 18.08.1870
Schlacht bei Sedan 01.09.1870
Einschließung von Paris 05.12.1870 bis 28.01.1871

Danach war Karl Sachse Kriegsinvalide, es folgte die Anstellung als Zollbeamter unter anderem in Aachen. Die Schul- und Entlassungszeugnisse des Sohns Johann Ernst Waldemar Sachse (Großvater von Manfred Sachse) sind in Aachen ausgestellt.

Der Großvater, Johann Ernst Waldemar Sachse, genannt Ernst Sachse war wie sein Vater Berufssoldat, allerdings war er nie eingezogen, hat also an keinem Krieg als Soldat teilgenommen. Seine Zivil- und Militär-Dienstzeit dauerte von 17.09.1889 bis 01.10.1890 und 24.11.1890 bis 30.09.1909. Von da an war er Verwaltungssekretär (Standesbeamter) in Rheydt. Am 29.07.1929 ging er in Pension. Der Grund war die Städte-Zusammenlegung von M.Gladbach und Rheydt. Diese Zusammenlegung wurde 1933 auf Veranlassung von Dr. Joseph Goebbels rückgängig gemacht.

Der Vater Wilhelm Karl Sachse war in der Lehre vom 01.04.1918 bis 27.04.1921 bei Joh. Friedr. Roelen in Rheydt, Geneickener Strasse 152. 1924 wurde Wilhelm durch die Besatzungsmacht aus dem Rheinland ausgewiesen. Er war dann eine Zeitlang in Hagen, in der Nähe des heutigen Freilichtmuseums beschäftigt. Ab 1925 war er wieder in Rheydt, anschließend in Langenberg i/W und dann ab 1928/29 in Kirn an der Nahe. In den Wintersemestern 1928/29 und 1929/30 war er auf der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Krefeld bei Professor Peter Bertlings (Malerei).

(Übrigens, er war es auch, der den "Schmied" entworfen hat, der so viele Jahre ein Wahrzeichen des Sachse-Anwesens in der Geneickener Strasse war. Manfred Sachse hat diesen "Schmied" 1999 an seinen Lehrling und Gesellen Peter John Stienen weitergegeben, an dessen Schmiede er seitdem einen neuen Ehrenplatz gefunden hat.   Anm. des Verfassers)

Am 17.06.1930 bestand Wilhelm Karl Sachse die Meisterprüfung als Dekorationsmaler. Am 31.03.1932 erfolgte die Eintragung in die Handwerksrolle Düsseldorf.
Von 01.09.1939 bis Kriegsende war er bei der Polizeireserve. Ab 1946 war er wieder als Handwerker selbstständig. Zunächst hatte er einen Malerbetrieb, wozu aber bald eine Autolackiererei kam und in den 50er Jahren auch eine Galvanik
.

Manfred Sachse, Damaszenerschmied

Manfred Sachse wurde am 08.08.1935 in M.Gladbach (heute Mönchengladbach) geboren. Die Kinderzeit, während des Krieges, verlebte er größtenteils in Mecklenburg-Vorpommern. Ab 1946 wohnte er durchgehend in Rheydt, heute zur Stadt Mönchengladbach gehörend. Mit 13 Jahren ging er zu seinem Vater Willi Sachse in die Maler- und Lackiererlehre. Am 20.03.1953 bestand M. Sachse die Gesellenprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk. Im gleichen Jahr wurde er Sportfechter, in erster Linie Degen und Florett (Ital. Schule). Beruflich begann M. Sachse eine zweite Lehre als Galvaniseur und Metallschleifer. Diese Lehre beendete er mit Erfolg am 12.03.1956. Die Meisterprüfung als Galvaniseur und Metallschleifer legte er am 19.05.1959 vor der Handwerkskammer Düsseldorf ab.

Durch seinen Berufsschul-Aufenthalt in Solingen bedingt, besuchte er immer wieder die Firma "Waffen-Schmidt", ein Hersteller von Fechtwaffen, wo er für seine Fechtfreunde Fechtartikel mitbrachte. Dort sah er auch seine erste Damaszener-Klinge. Von entscheidender Bedeutung war jedoch, dass er den ehemaligen "Reichsschmiedemeister" Paul Müller kennenlernte. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich bei Manfred Sachse die Leidenschaft für den Damaszenerstahl.

Anfang der 60er Jahre bekam er einige große Restaurierungs-Aufträge von historischen Waffen. Diese alten Waffen belegten ihm, was man in den vergangenen Jahrhunderten in den verschiedenen Ländern der Erde für Fertigkeiten hatte. Neugier auf den Damast veranlasste M. Sachse, immer mehr Reisen zu unternehmen, die Informationen in Richtung Damaszenerstahl versprachen. Städte wie Solingen, Lüttich (Belgien) und das Vesdre-Tal waren immer wieder auf dem Programm. Manfred Sachse lernte damals noch lebende Damaststahl-Schmiede kennen, Paul Müller wurde bereits erwähnt. Dazu gehörten aber auch noch Karl Wester und Paul Dinger. Im Laufe der Jahre ergab es sich, dass durch Vorträge und Lehrgänge, die von ihm abgehalten wurden, der Kreis der am Damaszenerstahl Interessierten immer größer wurde. Das wurde noch verstärkt durch eine Artikelserie im "Deutschen Waffen Journal". Ergänzend wird nun hier der Klappentext seines Buches "Damaszener Stahl" eingefügt. Dieses Buch hat sich seit seinem Erscheinen beim Verlag StahlEisen zu so etwas wie der Bibel der Damast-Begeisterten entwickelt.

"Der Autor: Manfred Sachse.
Geboren am 8. August 1935 in Mönchengladbach. Gesellenprüfung als Maler und Lackierer; Gesellenprüfung als Galvaniseur- und Metallschleifer; Meister des Galvaniseur- und Metallschleifer-Handwerks. Intensive Forschungsarbeiten auf dem Gebiet des Schmiedens von Damaszener Stahl sowohl in Praxis als auch in der Geschichte - verbunden mit Studienreisen nach Indien, der UDSSR und den USA, ergänzt durch viele Fachreferate - alles das ließ Manfred Sachse zu einem unumstrittenen Experten für Damaszener Stahl im In- und Ausland werden. Starke Beachtung fanden seine Vorträge bei internationalen Tagungen, z.B. bei der Gesellschaft für Waffen- und Kostümkunde, bei der Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren, bei der Internationalen Tagung "Damaszener Stahl" der Universität von New York, beim Weltkongress der Kunstschmiede in Aachen und beim Verein Deutscher Eisenhüttenleute. Dazu regelmäßige Veröffentlichungen über Damaszener Stahl im Deutschen Waffen-Journal, der wohl bedeutendsten Fachzeitschrift über Waffentechnik und -geschichte im deutschen Sprachraum. Zeitweise Dozent an der Fachhochschule Schloß Raesfeld - Ausbildung von Denkmalpflegern im Handwerk - und seit 1984 vereidigter Sachverständiger bei Industrie- und Handelskammer Krefeld, Mönchengladbach, Neuss für historische Waffen aus Damaszener Stahl. Sportlich dem Metier als Fechtsportler - Florett und Degen - verbunden, darüber hinaus begeisterter Bogensportler, der 1969 in Rheydt eine Bogenschützenabteilung gründete, als Kampfrichter bei den Olympischen Spielen 1972 in München eingesetzt wurde, einige Jahre lang Landesreferent für Bogenschießen im Rheinland war, der Technischen Organisation bei den Weltmeisterschaften im Bogenschießen 1979 in Berlin angehörte und die Deutschen Meisterschaften im Bogenschießen 1980 in Mönchengladbach ausrichtete.
Horst Schankliss
Deutsches Waffen-Journal"

Als Ergänzung zu den obigen Ausführungen, hier noch ein Original-Auszug aus einem Artikel in der Zeitschrift "der freie beruf" vom Dezember 1985 mit der bezeichnenden Überschrift: "Der Damaszener-Papst vom Niederrhein, Manfred Sachse". Spannender und interessanter als der Autor Heinz Dierchen kann man das Lebenswerk des "Damaszener-Papstes" kaum beschreiben. Manches im folgenden Artikel ist bereits in anderer Form in der obigen Schilderung beschrieben. Wen diese Wiederholung ernsthaft stört, der kann ja die entsprechenden Passagen leicht überspringen. Außerdem darf man nicht jedes Wort im Artikel von Heinz Dierchen zu kritisch vom Fachlichen her sehen. Er schildert in sehr persönlicher Art, wie er Manfred Sachse zur Zeit des Interviews erlebt und die Herstellung von Damaszenerstahl als Nicht-Schmied verstanden hat.

"Wenn Manfred Sachse zum Internationalen Damaststahl-Kongress ins Rheydter Schloss einlädt, dann klingen Experten aus aller Welt die Ohren. Und zwar im doppelten Sinne des Wortes: zunächst bei den praktischen Vorführungen in Sachses Schmiede in der Geneickener Strasse, wo er selbst den Hammer schwingt und an den folgenden Tagen während zahlreicher Vorträge von Sachse und anderen Fachleuten über die neuesten Forschungsergebnisse und spezielle Schmiedetechniken.
Nun ist es nicht die herkömmliche Schmiedekunst, die so manchen Teilnehmer - unter ihnen Museumsdirektoren, Völkerkundler, Metallurgen, Kunstschmiede, Restauratoren und Sammler von Prunkwaffen - eine Reise um den halben Erdball antreten lässt. Das Zauberwort und Hauptthema des Kongresses ist "Damast-Stahl" und das Schmieden von Damaszenerklingen. Manfred Sachse gilt weltweit als der Damaszener-Papst, und Mönchengladbach-Rheydt ist dabei, zum Mekka all jener Spezialisten zu werden, die sich auf irgendeine Art und Weise mit dieser alten, aber vielfach in Vergessenheit geratenen Schmiedetechnik befassen.
Die Bezeichnung "Damast" stammt aus dem Italienischen und ist abgeleitet von Damaskus, ebenso wie das deutsche Wort "Damaszener". Damaskus war im späten Mittelalter Haupthandelsplatz für Damaszenerklingen, die aus Indien und Persien nach Europa eingeführt wurden.
Doch die Anfänge dieser speziellen Schmiedetechnik reichen zurück bis in die späte Römerzeit. Frühformen lassen sich vereinzelt als "wurmbunte" Damaststahlklingen aus der La-Tene-Zeit des keltischen Kulturkreises nachweisen. Neben dem Orient waren später vor allem die Städte Lüttich, Birmingham, St. Etienne, Suhl, Brescia und Solingen europäische Zentren der Damaststahl-Erzeugung, wie Manfred Sachse berichtet.
Das Problem bei Klingen jeder Art war von jeher die Konsistenz, also eine Materialfrage. War der Stahl zu weich, dann verbog sich die Klinge. War er aber zu hart, dann zerbarst sie. Mit dem Damaszenerstahl, einer speziellen Vermengung von Stahl und Eisen, hatte man sozusagen das Ei des Kolumbus entdeckt, schon lange bevor der Seefahrer sich nach Amerika aufmachte.
"Hart wie Kruppstahl"  - diesen Vergleich braucht eine Damaszenerklinge nicht zu scheuen. Wahrscheinlich ist sie noch härter. In der Tat kann man mit einer solchen Wunderklinge regelrecht Kerben in einen Eisenstab "schnitzen" oder einen Nagel durchschlagen, ohne dass auch nur ein Kratzer auf der Schneide zurückbleibt. Welche Wirkung ein Hieb mit einem Damaszenerschwert auf einer gegnerischen Ritterrüstung erzielen konnte, lässt sich unschwer erahnen.
Doch mit der Modernisierung der Wehrtechnik kam der Damaszenerstahl langsam aus der Mode. Heute erlebt die Damaszenerklinge eine Renaissance vor allem bei den Jagdmessern, die bis zu 80% exportiert werden. Aber auch die Sammler haben die alte Schmiedekunst neu entdeckt. Und manches Museum lässt von seinen z.T. ramponierten Waffen aus Damast bei Manfred Sachse Duplikate anfertigen.
Das Geheimnis des Damasts, so offenbart Manfred Sachse, ist das verwendete Material sowie eine besondere Schmiedetechnik: Mehrere Lagen von in Streifen geschnittenen dünnen Stahlplatten und Weicheisenplatten werden abwechselnd aufeinander geschichtet und dann im lodernden Kohlefeuer der Esse auf ca. 1200°C erhitzt und miteinander verschweißt. Der weißglühende Eisenstab wird sodann unter kräftigen Hammerschlägen - Sachse verwendet inzwischen einen Drucklufthammer - auf die doppelte Länge gereckt.
Der gereckte Stab wird in der Mitte angespalten und über die Querachse zusammengeklappt, so dass man wieder ein Werkstück von der ursprünglichen Länge, aber mit der doppelten Anzahl von Lagen erhält. Dieser Vorgang, Verschweißen, Strecken und Zusammenklappen, wird mehrmals wiederholt, bis man einen aufgeschmiedeten Vierkantstahl mit ca. 400 Lagen erhält.
Doch dies war erst ein Teil der mühevollen Vorarbeit. Nun wird der Vierkantstahl "tordiert" (gedreht) und mit anderen tordierten Stäben zu einer neuen Einheit verschweißt und gehämmert, aus der dann der eigentliche Klingenkörper entsteht. Nach dem Härten der Rohklinge wird geschliffen und poliert. Und dann kommt der große Augenblick, wo durch einen Ätzvorgang die in der Klinge schlummernde typische Damaszener-Zeichnung ans Tageslicht geholt wird. (durch die vielfache Vermengung der Ausgangsstoffe Stahl und Eisen ergibt sich eine eigenwillige Struktur). Mit den verschiedensten Techniken beim Schmieden und durch exaktes Spalten des Materials kann man die kunstvollsten Muster wie Winkel, Streifen, Schlangenlinien oder gar kreisrunde Rosetten erzielen.
40 Stunden heißer und harter Arbeit stecken in der Damaszenerklinge eines Jagdmessers. Und für das Schmieden eines Schwertes müssen gar gut 160 Stunden veranschlagt werden. Dass solche Wertarbeiten nicht für "ein paar Mark fuffzig" zu haben sind, sondern eher von zahlungskräftigen Liebhabern und Sammlern erworben werden, versteht sich von selbst.
Was sich in dieser Kurzbeschreibung so einfach anhört, dazu gehört in Wirklichkeit neben den körperlichen Voraussetzungen Ausdauer, Präzision, ein hohes Maß an Können und als Fundus ein hervorragendes Fachwissen, z.B. über chemische Vorgänge beim Verarbeiten des Materials. Manfred Sachse hat das alles.
Um so erstaunlicher ist, dass dieser Mann ein wahrer Autodidakt ist. Die Kenntnisse über das Schmieden von Damaststahl hat er sich selbst erarbeitet. Durch eingehendes Quellenstudium (mit über 250 Quellen verfügt er über die größte Sammlung an Fachliteratur) ist er so manchem Geheimnis wieder auf die Spur gekommen.
Und was nicht in den Büchern festgehalten ist, das erforscht er weltweit vor Ort. Wie letztens auf einer Reise durch den indischen Bundesstaat Rajasthan in Begleitung des Direktors des Indischen Nationalmuseums Dr. Pant. "Dort habe ich Spuren der indischen Eisenherstellung gesichert", erzählt Sachse. (Und auch die Sikhs im benachbarten Punjab bevorzugen bei ihrem traditionellen Dolch, den sie immer bei sich tragen, Damaszenerklingen, erfahre ich beiläufig).
Der Schmiedehammer war Manfred Sachse gewiss nicht in die Wiege gelegt worden. Mit seiner ersten Lehre als Maler und Lackierer schien er zunächst in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, der sich als Kirchenmaler und Dekorations-Malermeister am linken Niederrhein einen guten Namen machte. Doch schon in jungen Jahren war Sachse sehr wissbegierig. Er sattelte noch eine Ausbildung drauf und erlernte den Beruf des Galvaniseurs und Metallschleifers, in dem er auch im Mai 1959 seine Meisterprüfung ablegte.
Für den Besuch der Berufsschule in seiner zweiten Lehrzeit kam eigentlich nur die Klingenstadt Solingen in Frage. Und in seiner Solinger Zeit war ihm auch zum ersten Mal eine Damaszenerklinge unter die Augen gekommen, die bald für seinen weiteren Lebensweg bestimmend sein sollte.
"Dieses Handwerk muss erhalten bleiben" sagte sich Manfred Sachse und betrieb erste Grundlagenforschungen.
Schon bald hatte er sich ein solches Fachwissen und Schmiedefertig-
keiten mit dem Damaststahl angeeignet, daß die Fachwelt auf ihn aufmerksam wurde. Die Kunde über sein seltenes Talent drang bis zum Regierungspräsidenten von Düsseldorf, der ihm die Berufsbezeichnung Kunstschmied zuerkannte, mit allen damit verbundenen Meister-Rech-
ten. So ist Sachse Vollmitglied der Schmiede-Innung und darf Lehrlinge ausbilden (z.Z. einen, Ausbildungsdauer 3 Jahre). "Offensichtlich wollte man mir ersparen, ein weiteres Mal die Schulbank zu drücken und Geld für Prüfungen auszugeben", erklärt Schmiedemeister Sachse diesen glücklichen Umstand.
Dann kamen die Museen auf ihn zu und baten ihn, er möge doch ihre alten Degen und Schwerter restaurieren (vorwiegend mit Damaszener-
klingen), was er kunstvoll ausführte. 25 Jahre betätigt er sich nun schon zusätzlich freiberuflich als Metallrestaurator. Bald wurde er Mitglied der Arbeitsgemeinschaft des technischen Museumspersonals (ATM), die sich später in Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren (AdR) umbe-
nannte. In den von dieser Vereinigung herausgegebenen "Arbeitsblättern für Restauratoren" wurde Sachse ein begehrter Autor. Und auch den Deutschen Eisenhütten-Leuten war dieser tüchtige junge Mann aufgefallen, die ihn in ihren Geschichtsausschuss beriefen. Restaura-
toren aus ganz Europa kamen zu den Lehrgängen, die Sachse regelmäßig ausrichtet und wo er sein Wissen über die Wiederherstellung beschädigter Ausstellungsstücke aus Damaststahl und anderen Metallen weitergibt.
Aus Sachses Restauratoren-Tätigkeit hat sich ein weiterer Beruf entwickelt, der auf seinem Visitenkärtchen mit "Museumstechnik" umschrieben ist: Er gestaltet Ausstellungsräume und richtet ganze Museen ein. D.h., er sichert und ergänzt den Bestand von Hieb- und Stichwaffen, ordnet die Exponate nach historischen und fachlichen Gesichtspunkten und berät, wie sie am besten präsentiert werden.
So hat Sachse drei Räume des Deutschen Schmiedemuseums ausgestaltet, das Schloss Rheydt eingerichtet, und auch Schloss Benrath sowie das Düsseldorfer Stadtgeschichtliche Museum "Palais Graf Spee" tragen seine Handschrift.
Damit ist aber die Palette von Sachses ausgeübten Berufen noch nicht zu Ende. Auf seinen Expertenrat kann er nämlich auch Brief & Siegel geben. Damastschmied Sachse ist  zugleich "öffentlich vereidigter Sachverständiger für historische Waffen aus Damaszenerstahl".
Mit bloßem Auge kann Manfred Sachse echten Damast von gefälschtem unterscheiden. "Wieso gefälscht?" will ich wissen. "Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang es", so Sachse, "durch ein lithographisches Umdruckverfahren, Damastmuster auf jeden beliebigen Stahl zu ätzen. Nicht zuletzt hat dieses Verfahren dann zu einem Niedergang der Damastschmiedekunst beigetragen". Die Klingen sahen also nur noch optisch - aufgrund einer ähnlichen Zeichnung auf der Oberfläche - wie Damaszenerklingen aus, ohne jedoch über deren vorzügliche Qualitätseigenschaften zu verfügen.
Darüber hinaus fertigt Sachverständiger Sachse Expertisen über echte Damastklingen an, fotografiert sie mit seiner "Hasselblad" und gibt eine ausführliche Beschreibung der Klinge. Denn bei Damast gibt es aufgrund des verwendeten Materials und unterschiedlicher Schmiedetechniken eine Vielzahl von Arten und Güteklassen.
Wie die anderen anerkannten Freien Berufe auch, darf Sachse in dieser Eigenschaft keine Werbung für sich treiben. So findet man seine Adresse als Sachverständigen lediglich in einem Verzeichnis der Industrie- und Handelskammer von NRW.
Mit seinen vielfältigen Aktivitäten, nicht zuletzt mit Vorträgen - unlängst im berühmten Metropolitan Museum of Art in New York - hat Manfred Sachse weltweit das Interesse für Damaszenerstahl wiederbelebt. In ständigen Ausstellungen im Schloss Rheydt sowie im Museum für Technische Kulturdenkmale in Hagen sind eindrucksvolle Zeugnisse der Damaststahl-Schmiedekunst zu bewundern.
Über sieben Jahre lang konnten die 80.000 Leser des "Deutschen Waffen-Journals" Sachses Artikelserie über Damaszenerstahl verfolgen, spannend und unterhaltsam wie ein Krimi, gespickt mit Ausflügen in die Mythologie und Sagenwelt, wie die Sage von Peter Simmelpuss beweist, dessen Vater in der Silvesternacht des Jahres 1561 das Damastschmieden von einem Berggeist im Tale der Wupper erlernte.
Daß Manfred Sachse mehr Fachwissen im Kopf als mancher in Büchern auf dem Regal stehen hat, macht diesen Mann zum Phänomen. Kein Wunder, daß seine gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen in Kürze als Buch erscheinen, und zwar als Veröffentlichung des Museums für Technische Kulturdenkmale in Hagen.
Bei allem Wissen über die Herstellung von Hieb-, Stich- und auch Schusswaffen aus Damaststahl ist Manfred Sachse ein von Grund auf friedfertiger Mensch, dem die Erhaltung einer uralten Schmiedekunst am Herzen liegt. "Ich habe mein Hobby zu meinem Beruf gemacht", sagt er nicht ohne Stolz. Ja, und es sind viele Berufe daraus geworden. Und so kennt dieser heitere Mensch auch kaum Freizeit. Trotz seiner internationalen Berühmtheit ist er bescheiden wie zu Beginn seiner Karriere geblieben.
"

Vorläufiger Ausklang

Nach einem überaus interessanten Berufsleben hat Manfred Sachse seinen Betrieb zum 31.12.1998 abgemeldet und widmet sich nun privaten Studien und Experimenten. (In gewöhnlich wohlinformierten Kreisen geht das Gerücht um, daß er bereits wieder an einem neuen Buch arbeitet. Worüber wohl diesmal?)
Man kann davon ausgehen, dass Manfred Sachse alleine für die Solinger Industrie über 30.000 Klingen aus Damast geschmiedet hat.

Möglicher neuer Ausblick

Vielleicht besteht die Chance, sowohl über Manfred Sachse, als auch über andere namhafte Damaszenerschmiede in Europa weiteres Interessantes zusammenzutragen und zu veröffentlichen. Auch eine Übersetzung des oben Gesagten z.B. ins Englische ist denkbar und möglich.


Mönchengladbach, im Januar ‘03

Peter A. Stienen

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