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Dachau

 

Reichslehrschmiede der SS, Division Totenkopf; ab 1939 Schmiede für Blankwaffen und Damaszenerstahl. In der Zeit von 1939 - 1945 waren dort ca. 10 Mann beschäftigt, davon 5 Lehrlinge. Leitender Meister war Paul Müller (Reichsschmiedemeister). Er hatte einen Vertrag mit der Gesellschaft zur Förderung und Pflege deutscher Kulturdenkmäler e. V. In Dachau wurden die damals üblichen Blank-waffen gefertigt, jedoch auch besondere Repräsentationsstücke mit Klingen aus Damaszenerstahl. Das Signet von Paul Müller war in der Dachauer Zeit . Dieses Zeichen war auf den Damastklingen freistehend hoch geätzt. Mit dem Ende des 3. Reiches endete die Arbeit in Dachau, und Paul Müller ging nach Cronenberg (Wuppertal) zurück.
 

 

Damas

 

Damaskus, Damast, Damaszener, usw.; Bezeichnungen für Schweißverbundstahl oder auch Wootz.
 

 

Damastausziehen

 

siehe Ätzen.
 

 

Damastimitation

 

siehe Fälschungen.
 

 

Damastmuster

 

spiegeln den inneren Aufbau des Stückes wider. Damastmuster werden nicht durch Ätzung, Gravur, Ziselierung oder Ähnlichem erzeugt. Sie sind vielmehr das Ergebnis der Herstellungstechnik. Im Grunde gibt es so viel Damastmuster, wie es Objekte aus Damast-stahl gibt. Damastmuster können noch sehr viel mehr Varianten aufweisen, wie z. B. "Fingerabdrücke. Natürlich gibt es gewisse Grund-muster, nach denen eine entsprechende Zuordnung möglich ist. Da gibt es wilde, gestem-pelte und tordierte Damaste, Kristallisationsdamaste, Mosaikdamaste, Kombinationsdamaste, usw. Welches Damastmuster einem persönlich am besten gefällt, muß im Grunde jeder für sich selbst entscheiden.
 

 

Damaststahl-
herstellung
 

 

siehe Herstellung.
 

 

Damaststempel

 

siehe Stempel.
 

 

Damaszenerläufe

 

siehe Läufe.
 

 

Eigenschaften

 

des Damaststahls; Eigenschaften und Qualität des Damaststahls sind so vielfältig, wie es einzelne Exponate gibt. Die Arbeitsweise der einzelnen Schmiede war und ist sehr unterschiedlich und die Möglichkeit der Materialkombinationen fast unendlich. Zunächst möchte ich mich mit den Eigenschaften des Schweißdamastes beschäftigen, den man auch als Schweißverbundstahl bezeichnet. Gehen wir einmal von der einfachsten Möglichkeit aus: Wir haben eine Schiene kohlenstoffarmen Stahls und eine Schiene aus kohlenstoffreichem Material. Der kohlenstoffarme Stahl ist nicht härtbar, also weicher Stahl oder - wie man früher sagte - Eisen. Der kohlenstoffreiche Stahl hat angenommener Weise einen Kohlenstoffgehalt von 1 % und ist deshalb hochhärtbar. Die beiden Schienen legen wir aufeinander, verschweißen diese im Feuer und recken sie auf etwa doppelte Länge aus. Wir haben nun eine Stahlstange, die aus 2 Stählen unterschiedlicher Eigenschaften besteht. Man kann jetzt dieStange härten, und es würde eine Hälfte hart werden, und die andere Hälfte würde weich bleiben. Diese Art von Materialien wird auch heute noch für Maschinenmesser verwendet. Man nennt diese Verbundstahltechnik auch häufig: Stahl auf Eisen. Bei diesem Nebeneinander von 1 weichen und 1 harten Stahlstück können nun noch andere Effekte auftreten; z. B. kann der harte Stahl zum Dauermagneten beim Magnetisieren werden, und der weiche Stahl nimmt diese Eigenschaften nicht an; dann können enorme Spannungen im Material auftreten, die zum Krummziehen der Stange führen.
Teilt man die Stange nun in 2 gleichlange Stücke, legt diese übereinander und ver-schweißt sie im Feuer, so erhält man ein Material, das aus 4 Lagen besteht. Wenn man dieses Ausrecken und Aufeinanderschweißen 20mal macht, ergibt sich eine theoretische Lagenzahl von 2.097.152 Lagen. Bei jedem Feuerschweißprozeß wandert nun jedoch Kohlenstoff aus dem daran reichen Stahl in das kohlenstoffarme Material hinüber; es diffundiert Kohlenstoff in das weiche Eisen. Nun vereinigen sich die Eigenschaften in der Stahlstange, und sie wird so nach und nach ähnliche Eigenschaftenwie ein Monostahl erhalten. Theoretisch iste es jetzt so, daß wir einen Stahl mit einem 0,5%igen Kohlenstoffanteil erhalten haben. Voraussetzung dafür ist natürlich, daß im Schmiedefeuer keine wesentliche Auf- oder Entkohlung erfolgt ist. Wenn auch der Stahl scheinbar zum Monostahl geworden ist, so hat er jedoch sicher eine gewisse Langfaserigkeit bzw. Zeilenstruktur erhalten, die für lange Stahlstücke nur günstig sein kann. Bei Materialprüfungen wird sich herausstellen, daß dieser Raffinierprozeß auf die absolute Härte keinen Einfluß hat. Es gibt jedoch eine Prüfung, da erweist es sich ganz klar, daß beim Kerbschlagbiegeversuch bedeutend höhere Werte erzielt werden. Durch Versuche kann man nun ermitteln, bei welcher Lagenzahl alle Werte am besten sind.

Lagenerrechnung bei 20maligem Ausrecken und Aufeinanderschweißen

2

 

2048

10x

4

1x

4096

11x

8

2x

8192

12x

16

3x

16384

13x

32

4x

32768

14x

64

5x

65536

15x

128

6x

131072

16x

256

7x

262144

17x

512

8x

524288

18x

1024

9x

1048576

19x

 

 

2097152

20x

 

Eigenschaften

(Fortsetzung)

 

Sicher wird es so sein, daß bei einer bestimmten Lagenzahl die Härte am höchsten ist. Bei einer anderen Lagenzahl ist die Zugfestigkeit besser, und so geht es weiter: Bruchspannung, Kerbschlagbiege-
prüfung, Formänderungsarbeit, usw.

Leider erfordern systematische Unter-
suchungen viel Zeit und verursachen dadurch höhere Kosten. Und daran liegt es, daß noch keine umfassenden Untersuchungsergebnisse vorliegen. Die Diplomarbeit von Johann Neymayer, 1987, Fachhochschule München, zeigt einen Ansatz zu diesen Untersuchungsmöglich-
keiten:

"... Beim Kerbschlagbiegeversuch jedoch zeigte der Damaststahl seine Qualität. Während die hochfesten Vergleichsstähle auf eine Schlagbeanspruchung sehr bruchempfind-lich reagierten, wiesen hier die Damaststähle eine erstaunlich hohe Zähigkeit auf..."

Es ist natürlich wichtig zu bedenken, daß jede Damaststahlsorte aufgrund seiner verwendeten Stähle auch andere Eigenschaften haben kann. Es hängt davon ab, ob man manganlegierte Stähle, Wolframstähle, Nickelstähle, usw. verwendet. Die einfachste Kombination ist - wie schon gesagt - die Verwendung zweier verschiedener Stähle. Es spricht jedoch nichts gegen die Verwendung von drei, vier oder noch mehr Sorten. Heute werden alle bekannten Sorten zu Verbundstählen verarbeitet; davon sind auch pulvermetallurgische Stähle nicht ausgeschlossen. Selbstverständlich ist es technisch machbar, hochlegierte Stähle miteinander zu verschweißen; diese Arbeit ist auch sinnvoll. Grundsätzlich muß jedoch jeder neue Damaststahl als neue Sache mit neuen Eigenschaften angesehen werden. Was für die eine Sache gut ist, kann für die andere Sache schlecht sein.
Warnen möchte ich jedoch vor übertriebenen Erwartungen gerade durch Filme wie "Highlander". Hier werden Vorstellungen geweckt, die nicht erfüllt werden können. Zwar hat die Sagenwelt aller Völker von Schwertern berichtet, die traumhafte Eigenschaften besaßen, aber Vorsicht! Da war meist der Wunsch der Vater des Gedankens! Auf der anderen Seite ist es auch so, selbst wenn man das beste heute noch existierende japanische Schwert auf seinen Wert hin prüfen würde, so käme es sehr auf den Prüfer an. Es kommt al-so auf den Mann an, der das Schwert führt. Der eine würde das Schwert zerstören, und der andere holt die volle Leistung aus dem Schwert heraus. Von der späten Römerzeit bis ins frühe Mittelalter waren in Mitteleuropa Schwerter im Gebrauch, die in der Regel aus Damaszenerstahl waren. Bei den besten Stücken kamen hochkomplizierte Kom-
binationen von tordierten Damaststäben, Zwischenlagen und angesetzten Hiebleisten vor. Fast alle Museen Mitteleuropas haben Fundstücke in Form von Schwertern, Saxen, Lanzenspitzen, usw., die die Technik des Damaststahl-
schweißens belegen. An einem Beispiel soll an dieser Stelle die Härteverteilung bei einer Klinge des 10. Jhdt. deutlich gemacht werden:

Man sieht, wie bewußt man die Härte auf die Klinge verteilt hatte. Besonders Radomir Pleiner wies schon vor Jahren in seinen Schriften in der Regel auf die Härten bei den von ihm beschriebenen eisernen Fundstücke hin.
 

 

Damaststahl

 

zwei Grundarten; leider muß man, wenn man von Damaszenerstahl spricht oder schreibt, etwas für Verwirrung sorgen. Denn es gibt zwei Sorten gemusterten Stahls, beide jedoch mit dem Namen Damaszenerstahl. Jedoch sind der Ursprung und die Art der Herstellung grundverschieden. Die eine Sorte ist der Schweißdamast oder auch Schweißverbundstahl, und die zweite Sorte ist der Wootz oder auch Schmelz- bzw. Kristallisationsdamast.

Die älteste Sorte ist sicher der durch Feuerschweißung zusammengefügte Schweißverbundstahl. Archäologische Funde belegen bis in die frühe Eisenzeit hinein die Technik des Zusammen-
schweißens von kleinen Eisenmengen zu einem größeren Teil.

Die Gründe für diese Methode sind vielfältig. Erstens mußten die Luppen, die im Rennfeuer gewonnen wurden, intensiv durchgeschmiedet werden, um ein einigermaßen sauberes Eisen zu erhalten. Zweites mußten auch kleinere Luppenstücke verwendet werden. Drittens wurde altes Eisen immer wieder verwendet. Diese Art der Verarbeitung, die zunächst auf Materialmangel zurückzuführen war, wurde schon bald zum System entwickelt. Schon um 500 v. Chr. sind Streifendamaszierungen in Form von keltischen Schwertern erhalten. In derspäten Römerzeit war die Schweiß-
verbundtechnik bei Stahl schon so perfekt, daß man in dieser Richtung kaum noch etwas grundsätzlich Neues erfinden konnte.

Wann der Wotz-Stahl, also der im Tiegel erschmolzene Damaststahl, zum erstenmal vorkommt, weiß man nicht genau. Aber es scheint so zu sein, daß ab dem 14. Jhdt. n. Chr. Wootz-Stahl vorkommt. Mit dem Untergang der Mogule in Indien scheint es im 19. Jhdt. auch mit dem Wootz zu Ende zu gehen.
 

 

Damaszenerstahl

 

Bei dem Begriff "Herstellung" werde ich auf die modernen Herstellungsversuche zurückkommen. Der grundsätzliche Unterschied vom Wootz zum Schweißdamast ist, daß der Wootz im Tiegel erschmolzen wurde und schon im Rohzustand - als Wootzstahlkönig, einem brötchenartigen Gebilde aus dem Schmelztiegel - hat der Stahl eine charakteristische Maserung, die sehr unterschiedlich sein kann. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, daß besonders bei der Pflege und Restaurierung Wootz und Schweißdamast anders zu behandeln sind.

Grundsätzliches: "Den" Damaszenerstahl gibt es nicht! Es gibt eine Unmenge von Stählen, die ein mehr oder weniger gemustertes Aussehen aufweisen. Die Qualitäten reichen von sehr gut bis sehr schlecht, d. h.sehr gut oder sehr schlecht von den technischen Eigenschaften, wie Härte, Elastizität, Bruchfestigkeit, usw. Oder es betrifft das Aussehen der Oberfläche, wie sehr schön gemustert, brillant zeichnend, klar hoch-tief-Effekt, grau zeichnend, verwaschen, gemustert, usw.

Ein "Damaszenerstahl" kann alle guten Eigenschaften oder auch alle schlechten in sich vereinigen. Ein Beispiel wäre etwa: gute technische Eigenschaften wie hohe Härte bei guter Elastizität aber schlechtes Aussehen.

Wunderdinge jedoch kann auch der Damas-zenerstahl nicht leisten. Speziell durch Action-filme wird dem Zuschauer vorgegaukelt, bestimmte Stähle könnten alls leisten. Diese legendären Eigenschaften wurden früher durch Sagen der einzelenen Völker verbreitet. Ein und dasselbe Schwert konnte so ein Seidentuch in der Luft zerteilen und einen Moment später einen Amboß spalten, ohne Schaden zu nehmen. Diese Eigenschaften kann natürlich kein Schwert haben.Der Wunsch war vermutlich der Vater des Gedankens. Anderseites haben sich die Schmiede aller Völker immer bemüht, einen besonders guten und zweckmäßigen Stahl herzustellen, und so kam man auf den "Damaszenerstahl", und zwar zunächst auf den Schweißverbundstahl und später auch auf den im Tiegel hergestellten Kristallisationsdamast, den Wootz.

Schon früh konnte man Werkzeuge herstellen, die den Anforderungen des jeweiligen Benutzers genügten. Da ist das Rasiermesser des Barbiers, das Skalpell des Arztes, das Messer des Jägers, der Meißel des Steinmetzes, das Schwert des Kriegers, die Axt des Zimmermanns, usw. All diese Geräte erhielten schon in früher Zeit einee besondere Ausformung und besondere Eigenschaften; das bedeutet, daß ein Schwert nicht zum Bäume fällen da ist, ein Meißel nicht zum Rasieren, ein Messer nicht, um Steine zu bearbeiten. Von einem Werkzeug alle Eigenschaften zu fordern, ist schlichtweg unsinnig.

Der Damaszenerstahl in Form des Schweißverbundstahls wurde ursprünglich auserkoren, möglichst gebrauchsfähige Schwerter herzustellen. Diese Schwerter sollten für ihren Zweck hart genug sein, sollten sich nicht ver-biegen und sollten auf der anderen Seite nicht zerbrechen. So nach und nach konnte man nun Stähle entwickeln, die diesen Ansprüchen genügten.

Parallel zur Entwicklung der besonderen Werkstoffe und Werkzeuge entstanden Spezialisten, die mit diesen Gegenständen umgingen und arbeiteten. Krieger, Handwerker, Ärzte, Barbiere, Scharfrichter, Fischer, Jäger, Köche, usw. entwickelten ihr spezielles Berufsgerät und übten, vom Lehrling bis zum Meister, die Benutzung ihrer Werkzeuge. So war es bei den Kriegern der meisten Völker üblich, zunächst mit Holzschwertern oder spe-ziellen Übungswaffen zu trainieren, bevor man im ernsthaften Gefecht eine hochwertige Waffe benutzte. Der Ritterschlag war für den Krieger so etwas wie das Erreichen des Meisterranges. Der Ritter war in der Lage, ein Schwert richtig zu führen, ohne es zu demolieren. Ob nun der Ritter ein abendländischer Krieger oder ein japanischer Samurai war, spielte hierbei keine Rolle. Bei modernen Schaukämpfen von Rittergruppen sieht man häufig das Schlagen Klinge gegen Klinge. Das wäre im Ernstfall eine äußerst unsinnige Geschichte. Im Grund galt frührer nur ein Wahlspruch: "Treffen oder getroffen zu werden."

Das Treffen um jeden Preis ist im Gefechtsfall selbstmörderisch. Gute Fechter, die viele Zweikämpfe überlet hatten, suchten die Entscheidung immer unter Schonung der eigenen Waffe und vor allem des eigenen Körpers. Nach jedem Gefecht eine neue Waffe zu kaufen, war auch in früheren Jahrhunderten nicht möglich. Waffen und Werkzeuge waren der kostbarste Besitz und mußte dementsprechend gehütet werden. So mußte ein Lehrling, der unsachgemäß mit einem Werkzeug umging, postwendend mit einer Ohrfeige vom Meister oder Gesellen rechnen.

Werkzeuge waren immer persönliches Eigentum und wurden nie verliehen. Ein Maurer nahm jeden Abend seine Kelle mit nach Hause, nachdem er sie sorgfältig gereinigt hatte. Als junger Handwerker hatte er die neue, noch unpersönliche Kelle vom Schmied erhalten. Im Laufe der Jahre wird die Kelle durch die Arbeit nun völlig glatt, und sie liegt ihm in der Hand und wir ihm vertraut. Wenn er diese Kelle einmal verlieren sollte, so wird der Maurer sicher recht unglücklich sein.  Was für den Maurer gilt, gilt natürlich auch für alle anderen Gewerke. Ein Fleischer, der nicht in der Lage ist, seine Messer richtig zu schärfen, wird nie vernünftig arbeiten können.

Überträgt man dies alles auf den Damas-zenerstahl, so stellt man fest, daß bestimmte Grundvoraussetzungen stimmen müssen, wenn eine Sache gut sein soll. Der Käufer und spätere Benutzer sollte sich zunächst mit der Geschichte und den Eigenschaften dieses Materials auseinandersetzen und sich im Klaren sein, was er für sich persönlich möchte. Dann sollte er sich einen Schmied seiner Wahl aussuchen und mit ihm persönliche Gespräche führen. Kommt kein persönlicher Kontakt zustande, so sollte man von dem Vorhaben Abstand nehmen.

Wird mit einer Arbeit begonnen, so ist es wichtig, daß die Auswahl des Grundmaterials eine gute ist und daß das Können des Schmiedes ausreicht, es zu bearbeiten. Bei bereits fertigen oder neuen Stücken aus Damaszener-stahl sollte man sich ausgiebig Zeit nehmen, um sie zu betrachten. Man sollte nach Möglichkeit so vorgehen, als kaufe man ein Kunstwerk, z. B. ein Gemälde. Wer sich dazu entschließt, "Damaszenerstahl" zu sammeln, der sollte in erster Linie nur nach der Schönheit dieses Materials sehen und die technischen Aspekte außen vorlassen. Wenn eine Waffe in ieiner Vitrine liegt, spielt es eine untergeordnete Rolle, wie hoch die Rockwellhärte ist.

Ein Werkzeug oder eine Waffe mit Damas-zenerstahl auszurüsten, nur um den Ge-brauchswert zu erhöhen, ist in der heutigen Zeit nicht sinnvoll. Erstens sind die modernen Stähle sowieso gut und zweitens ist der Damas-zenerstahl viel teurer. Man muß schon eine Liebe zum Damaststahl entwickeln; auf jeden Fall ist er für Möchtegern-Rambos zu schade. Man tut gut daran, wenn man Damaszenerstahl besitzen und sammeln möchte, sich auch mit der Geschichte der Metalle, der Fechtkunst, des Handwerks, der Mythologie und des Ritterwesens zu beschäftigen.

Historische Romane sollte man lesen und auch historische Filme sehen. Jedoch ist gerade bei den Filmen eine kritische Betrachtungsweise notwendig. Wenn es um die historischen Romane geht, dasnn muß ich zugeben, daß es Karl May war, der mich auf die Spur des Damaszenerstahls geführt hat. Ich war gerade 9 Jahre alt, als ich aus Karl May, Band I, "Durch die Wüste", folgende Stelle las:

..."Zeige mir Deinen Dolch!" Ich tat es. Er prüfte die Klinge und meinte dann: "Dieses Eisen breche ich mit einer Hand auseinander, siehe dagegen meinen Schambijej!" Er zog ihn aus der Scheide. Es war ein Kunstwerk, zweischneidig, leicht gekrümmt, wunderbar damasziert, undd in arabischer Sprache stand zu beiden Seiten der Wahlspruch:"Nur nach dem Sieg in die Scheide". Er war gewiß von einem jener alten berühmten Waffenschmiede in Damaskus gefertigt worden, welche heutzutage ausgestorben sind und mit denen sich jetzt keiner mehr vergleichen kann. "Gefällt er Dir?" fragte der Scheik. - "Er ist wohl fünfzig Schafe wert!" - "Sage hundert oder hundertfünfzig, denn es haben ihn zehn meiner Väter getragen, und er ist niemals zersprungen. Er sei Dein; gib mir den Deinigen dafür!" Soweit Karl May.

Wie auch immer, jeder wird sein persönliches Erlebnis gehabt haben, wie er zu dem legendären Damaszenerstahl gekommen ist. Wichtig ist, daß wir uns die Liebe zu diesem Material erhalten, damit wir für unsere Nachfahren ein Stück alte Handwerkstradition bewahren.
 

 

Damaszierer

 

damasziert, Damaszierer, Damaszierung; diese Worte werden gebraucht, wenn von Damaszenerstahl bzw. wenn von Verbundstahlklingen des frühen Mittelalters die Rede ist. Jedoch gibt es auch noch eine zweite Bedeutung.Der Beruf des Damaszierers ist kein Lehrberuf. Dieser Handwerker macht Ätzungen, Färbungen und Vergoldungen in Metallen und zwar in ornamentaler oder Schriftform. Auch gehört es zu seinem Arbeitsbereich, den falschen Damast herzustellen, d. h., auf normalem Stahl werden die Muster des echten Damasts aufgeätzt. Auch echte Damastklingen werden durch den Damaszierer oft mit einer zusätzlichen Damaszierung versehen. Leider führt diese Doppelbedeutung oft zu Mißverständnissen.
 

 

Deckschicht

 

Deckschichtentechnik, auch furnieren; Da-mastart, wobei der eigentliche gemusterte Damast nur als verhältnismäßig dünne Schicht auf einen Trägerstahl aufgeschweißt ist. Hier geht es nicht um die technische Eigenschaft des Damaststahls, sondern um die Darstellung der Damastmuster. Es besteht immer die Gefahr, besonders beim Restaurieren, diese oft sehr dünne Schicht durchzuschleifen.
 

 

Delcour

 

Delcour M.; Delcour-Dupont J.; bekannte Familie aus Nessonvaux-Fraipont Vesdretal (Belgien), die bis in die 30er Jahre des 20. Jhdts. Läufe für Feuerwaffen aus Damast schmiedete. Die Waffen oder Waffenteile, die im Vesdretal gefertigt wurden, gelten ganz allgemein als Lütticher Waffen.
 

 

Denig

 

Heinz; Kunstschmiedemeister aus Kaiserslautern; beschäftigt sich wie M. Sachse seit den frühen 60er Jahren mit der Erforschung und der Schmiedetechnik des Damaszener-stahls; Veröffentlichungen im Deutschen Waffen-Journal, Vorträge und Autor des Buches "Alte Schmiedekunst Damaszenerstahl", 1985. Neben Klingen hat Heinz Denig auch Äxte geschmiedet. Drei Kunstschmiedeobjekte aus Damast sind von ihm besonders bekannt: Sonnenscheibe, Fisch und Kreuz
 

 

Deutsche Frischarbeit

 

dreimaliges Herdfrischen von Roheisen, auch Garfrischen.
 

 

Deutsches Klingenmuseum

 

Solingen; entstand aus einer Studiensamm-lung der Solinger Fachschule für Metallgestaltung, die seit 1904 besteht. Erster Standort war das alte Rathaus von Gräfrath (ab 1954). Seit 1991 befindet sich das Museum jedoch im ehemaligen Kloster von Gräfrath. Selbstverständlich verfügt das Museum über eine größere Sammlung von Damaszener-klingen aus allen Ländern und Zeiten. Hier die Adresse: Deutsches Klingenmuseum Solingen, Klosterhof 4, 42653 Solingen; Telefon 0212-59822, Fax 0212-593985.

 

 

Diefenthal

 

Josef; Solinger Raider und Messerfabrikant, der selbst Damaststahl schmiedet.
 

 

Dinger

 

Max; um die Jahrhundertwende bekanntester Solinger Damastschmied; verstarb 1910. Besonders schön sind seine Banddamastklingen; sein Angelzeichen ist M+D.
 

 

Dinger

 

Paul; Mitinhaber der Wedi-Schmiede (Wester und Dinger); schmiedeten sehr viele Damastklingen. In ihrer Schmiede wurde der Farbtonfilm (16mm) "Rosendamast" gedreht. M. Sachse übernahm die Damasthinterlassenschaften der Wedi-Schmiede und unterhielt freundschaftliche Kontakte zu Carl Wester.
 

 

Diokletian

 

römischer Kaiser; 284-305 n. Chr.; ließ Waffenfabriken in Damaskus errichten. Unter ihm fanden die syrischen Ärzte Cosmas und Damian den Märtyrertod. Der Legende nach ist das Essener Schwert (Kernschwert) die Hinrichtungswaffe der beiden.
 

 

Drescher

 

Dietrich; bereiste zunächst als Handelsschiff-Kapitän Indonesien, später auch als Einzelreisender; betreibt umfangreiche Studien um den Kris und die Pamortechnik.
 

 

Dreyer

 

Horst; Restaurator in Mönchengladbach. Restauriert alte Damastteile und fertigt auch moderne Messer aus Damaststahl. Er verarbeitet in erster Linie M. Sachse-Damaststahl.
 

 

Druckpolieren

 

Polieren mit der stählernen Poliernadel bzw. mit Polierstahl oder auch mit gefaßten Poliersteinen wie Achat, Blutstein, Jaspis, Feuerstein, usw. Druckpoliern kommt vor allem bei der japanischen Klinge vor; im frühen Mittelalter auch bei Messern, Schwertklingen (Schwertfegen). Heute wird Druckpoliern in erster Linie bei Edelmetallen eingesetzt.
 

 

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